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Erste Fahrt mit der Bleckeder Kleinbahn durch den wunderschönen Frühling:
Mit Genuss Reisen statt nur zu Fahren
Bleckede heißt den Heide-Elbe-Express willkommen und dankt der AVL!
Bleckede/Lüneburg. Natürlich ganz pünktlich um 9.38 Uhr startet Lokführer Matthias Strohmeyer den Antrieb und der Heide-Elbe-Express setzt sich am Hauptbahnhof Lüneburg vom Gleis 4 aus in Bewegung. Der Wettergott freut sich über den schönen roten Triebwagen der AVL und los geht es in wechselndem Tempo durch die gerade erblühende Landschaft Richtung Bleckede. Am Stadtrand Lüneburgs durchschneidet Oberbürgermeister Ulrich Mädge symbolisch das Band zur Freigabe der Strecke. Er war, ebenso wie Bleckedes Bürgermeister Jens Böther, MdL Karin Bertholdes-Sandrock, MdB Eckhard Pols, stellvertretende Landrätin Nicole Ziemer sowie MdL Andrea Schröder-Ehlers bereits am Startbahnhof zugestiegen. Der Triebwagen beeindruckt mit seinem guten Zustand, es ist Baujahr 1955 und wird von zwei Dieselmotoren mit jeweils immerhin 220 PS angetrieben. Die möglichen 70 km/h Höchstgeschwindigkeit werden bis jetzt auf der Strecke Bleckede-Lüneburg noch nicht ganz gefahren, da sich (wie auf der Straße) die erlaubte Geschwindigkeit nach dem Streckenzustand richtet.
Als Fahrgast genießt man die Fahrt, es ist eben nicht fahren wie man es im Alltagsstress gewöhnt ist – sonder REISEN, Entspannung und Genuss und völlig neue Blickwinkel auf unsere Gegend und ihre Orte. Die AVL hat noch einen zweiten solchen Triebwagen, er wird derzeit aufgearbeitet. „Spenden sind jederzeit willkommen“, hören wir im Zug. Überall spürt man die Passion der Mitglieder der AVL (Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg) für ihr neuestes Projekt, ein Projekt, dass jede Unterstützung verdient. Als Fahrgast ist man erstaunt, wie gut der Zustand der Strecke ist und das umso mehr, wenn man sich die Strecke vor den umfangreichen Arbeiten bei Wind und Wetter einmal angesehen hat.
In Ebensberg steigt Ortsvorsteher Heiko Dörbaum zu, der nächste Stopp ist am „Lim’s“ in Erbstorf. Dann folgt der schnellste Streckenabschnitt: Am Elbe-Seitenkanal zwischen Erbstorf und Scharnebeck liegt er, die dort erlaubten 50 km/h werden auch voll gefahren. In Scharnebeck gibt BM Laars Gerstenkorn die Strecke frei und steigt zu, überall freuen sich die Menschen und fotografieren den Heide-Elbe-Express H.E.X. Als Fahrgast nimmt man jeden Kilometer ganz bewusst wahr, das kennt man vom Autofahren her gar nicht mehr. Rullstorf und Boltersen werden angefahren, dann Neetze. Vor Neu Neetze beim Betonwerk wird das einzige Mal auf der Strecke die Landstraße gekreuzt. Durchs Bleckeder Moor führt der Weg, einzig in der letzten Kurve vor Bleckede (altes Klärwerk) spürt man etwas huckelige Schienen. Zum ersten Mal fährt der Heide-Elbe-Express im Bahnhof Bleckede wieder ein, ein festlicher Moment, begleitet von der Bleckeder Blasmusik unter Dr. Sevecke.
Hans Dierken, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde, freut sich über die zahlreich erschienene Bevölkerung: „Die Bleckeder Kleinbahn ist eröffnet, damals öffnete sie Wirtschaftsmärkte.“ 1904 startete sie, 1919 wurde die Strecke durch das Bleckeder Moor gelegt, bis 1977 gab es den Linienpersonenverkehr der OHE, dann nur noch die Busse und einige Güterzüge fuhren noch. Es wurde kaum in die Strecke investiert, als sie stillgelegt werden sollte, nahmen die Verkehrsfreunde als einziger an der Ausschreibung teil. Es wurde eine eigene Verwaltungsgesellschaft UG gegründet. „Wer sich auskennt, weiß, wieviel Kapital hinter einer UG steckt“, so Dierken ironisch. Im Jahr 2011 wurden dann die Reparaturen durchgeführt, Landzeitarbeitssuchende halfen bei der schweren Arbeit, auch die Osthannoversche Eisenbahnen AG (OHE) unterstützte großzügig. Der Landkreis Lüneburg unterstützte und durch MdB Pols Vermittlung konnten ca. 1200 Schwellen wieder aufbereitet werden. Es wird weiter investiert, ein Betrieb ist ohne Zuschüsse möglich. „Das Bleckwerk brummt“, so Dierken weiter. „Dort wird Technik von vor über zwei Generationen noch beherrscht, moderne Technik sowieso. Die Loks kommen jetzt einfach übers Gleis statt teuer über die Straße transportiert zu werden, ein großer Vorteil für die Eisenbahnstadt Bleckede!“
BM Jens Böther gratuliert: „Über 100 Jahre gibt es den Eisenbahnanschluss in Bleckede. Das Eisenbahnausbesserungswerk hat mehr als 20 Arbeitsplätze, die touristische Vernetzung mit Lüneburg steht nun im Vordergrund. Man kann nun auch als Lüneburger mit dem Fahrrad in die Elbtalaue fahren, auch das Biosphaerium Bleckede unterstützt das Vorhaben – ein großer Meilenstein und ein Gewinn für die Stadt. Ich wünsche der Bleckeder Kleinbahn viel Erfolg. Dies ist die schönste Strecke im Landkreis Lüneburg!“
Stellvertretende Landrätin Nicole Ziemer überbringt die Grüße von Landrat Nahrstedt: „Während der Fahrt genoss ich die gelben Rapsfelder und die wunderschöne Landschaft, der Heide-Elbe-Express selbst ist eine Attraktion. Immerhin 20 Kilometer Strecke wurden saniert, das war viel harte Arbeit und Mitte Dezember wurde grünes Licht gegeben, die AVL war sogar schneller als geplant.“ 15.000 Euro verdienten Zuschuss gab der Landkreis, die Kommunen an der Strecke insgesamt 11.000 Euro.
Oberbürgermeister Ulrich Mädge: „Früher fuhr die Bahn nur bis Lüneburg-Nord. Zugfahren ist ökologisch vernünftig, die Entschleunigung sollte man erleben.“ MdB Eckhard Pols: „Statt die Schwellen zu entsorgen, haben wir sie der Wiederverwendung zugeführt, wir hoffen auf einen weiteren Ausbau mit Job Sozial und noch höhere Geschwindigkeiten.
Karin Bertholdes-Sandrock lobte den großen Idealismus. „Familien sollten das Rad nehmen und Ausflüge machen.“ Sie ging mit gutem Beispiel voran und spendete zwei Schwellen, wie es die BZ ebenfalls im Vorfeld getan hatte. Martin Gödecke überbrachte Grüße der Schützengilde und freute sich, dass der Heide-Elbe-Express zum Schützenfest auch fährt, auch er spendete privat zwei Schwellen.
Anschließend wurde der Triebwagen auf den Namen „Elbtal“ getauft – natürlich nicht mit einer Flasche Sekt, sondern mit dem Inhalt eines Bierglases...
CS



Ja zur Brücke!
Die Finanzierung der Elbbrücke ist gesichert -
„Den Ostkreis für die Zukunft aufstellen“
Die BZ im Gespräch mit Karl Heinz Hoppe,
Sprecher des Förderkreises Elbbrücke
1. Herr Hoppe, die Kosten für den Bau einer Elbbrücke zwischen Neu Darchau und Darchau scheinen sämtliche von den Gutachtern Georg & Ottenströer aufgezeigten Entwicklungsfortschritte unserer Region in den Hintergrund zu drängen. Auch der Gedanke, dass es sich um ein Projekt der deutschen Einheit handelt, die es bei uns noch zu vollenden gilt, gerät ins Vergessen.
Die derzeit genannte Summe von etwa 46 Millionen Euro sowie die Unterhaltungskosten stehen im Vordergrund. Zurück gedrängt werden die erforderlichen Investitionen, die den südöstlichen Landkreis, das Amt Neuhaus und angrenzende Bereiche zukunftsfähig machen könnten. Wie erklären Sie sich das?
K. H. Hoppe: Man weiß in Lüneburg um die Situation des Ostkreises, weil man diese mit einem Investitionsprogramm aufbessern möchte. Eine derartige Maßnahme grenzt aber das Kernproblem aus. Das Kernproblem ist der Bau einer festen Elbquerung, die, wie gutachterlich aufgezeigt worden ist, zu einem wirtschaftlichen Aufschwung führen wird. Eine Brücke ist der Dreh- und Angelpunkt, um die deutsche Einheit in unserer Region menschlich wie wirtschaftlich zu vollenden. Der Ostkreis umfasst nicht nur das Amt Neuhaus, sondern auch die Bereiche Bleckede und Dahlenburg. Wenn wir jetzt nicht in die Zukunft investieren, wird der „Eiserne Vorhang“ bereits in Neetze beginnen.
2. Am Telefon sagten Sie, Herr Hoppe, das Geld für die Brücke ist da. Wie viel Geld ist vorhanden oder gibt es noch Finanzierungslücken?
K. H. Hoppe: Derzeit belaufen sich die geschätzten Kosten auf Euro 45 Millionen; davon werden 75% vom Bund übernommen, das wären etwa Euro 31 Millionen. Grundlage ist das GVFG / Gemeinde-Verkehrs-Finanzierungs-Gesetz. Dieses Geld wird vom Land Niedersachsen verteilt und ist fest zugesagt. Eine wertvolle Zusage, denn der Prozentsatz gilt ebenfalls bei steigenden Kosten. Des Weiteren sind zugesichert: Euro 2,3 Millionen an Landesmitteln für den Landkreis. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg, der vom Bau einer festen Elbquerung ebenfalls profitieren wird, steuert Euro 700 000 bei. Für den Landkreis Lüneburg verbleiben Euro 11,6 Millionen, davon sind bereits über Euro 2 Millionen für Gutachten, Planungskosten, Statik usw. ausgegeben und Euro 9,6 Millionen sind haushaltsmäßig für die nächsten Jahre eingeplant. Die bisher zu erwartenden Kosten sind damit gesichert. Da die allgemeinen Planungen und die Trassenplanungen so durchführbar sind wie gutachterlich vorgelegt, könnte der Kreistag über das Planfeststellungsverfahren beschließen. Ein Planfeststellungsverfahren ist für den öffentlichen Bereich so etwas wie ein Bauantrag für den privaten.
Finanzierungslücken entstehen, wenn das Ausschreibungsergebnis anders aussieht, als die zurzeit geschätzten Kosten. Über Mehrkosten muss zu gegebener Zeit entschieden werden, wobei von der Landesregierung zugesagt worden ist, eventuelle Mehrkosten neu mit dem Landkreis zu verhandeln. Ich habe einen Vorschlag eingebracht, inwieweit für derartige Kostensteigerungen EU-Mittel beantragt werden könnten. Da wir Ziel 1-Gebiet sind, kämen für uns auch Ziel 1-Mittel infrage, weil hier eine gesamtwirtschaftliche Förderung im Raum steht. Alle politisch Beteiligten, die ernsthaft die Brücke wollen sind gefordert, Wege zu finden, die die Realisierung des Bauvorhabens unterstützen. Es wäre verkehrt, alles vor sich herzuschieben.
3. Ist Ihnen über die Folgekosten eine Summe bekannt? Gerade die Folgekosten bereiten dem Landkreis /Landrat erhebliche Sorge.
K.H. Hoppe: Man geht davon aus, dass für die Unterhaltung pro Jahr 1 % der Baukosten zu veranschlagen sind. In unserem Fall wären es Euro 450 000. In den ersten fünf Jahren sind ohnehin keine Kosten für den Bauherrn zu erwarten, weil in der Gewährleistungszeit die Baufirma haftbar wäre. Zusätzlich sind volkswirtschaftliche Überlegungen einzubeziehen. Wie hoch sind die jährlichen Kosten, die dem Staat, also dem Steuerzahler entstehen? Was kostet der jetzige Zustand und von wem wird der bezahlt? Zwei Rechnungen zeige ich Ihnen jetzt auf: Kosten, die dem Steuerzahler entstehen: Für eine Verzinsung mit 4% (jetzt kann man wahrscheinlich von 2% ausgehen) müssen 1,8 Mio. Euro bereitgestellt werden; 2% Abschreibung = 0,9 Mio. Euro /Jahr; dann die Unterhaltung mit 1% = 0,45 Euro / Jahr. Das sind 3,15 Mio. / Euro an kalkulatorischen Kosten für die öffentlichen Haushalte (Bund, Land, Kreis). Nun zum jetzigen Zustand: Wir müssen bedenken, dass die Fähre allein durch die Fährbenutzer finanziert wird. Das Verkehrsgutachten geht ab dem Jahr 2025 von 3400 Fahrzeugen pro Tag als Jahresmittelwert aus. Angenommen die Anzahl der Fahrzeuge benutzt 2025 die Fähre, so ergäbe sich nach den heutigen durchschnittlichen Fährpreisen folgende Summe: 3400 x 4,50 Euro x 365 Tage = 5845000 Euro pro Jahr. Es handelt sich um Kosten, die die Bürger/innen zu tragen haben.
Noch höhere Kosten ergeben sich, wenn die Fähre aus verschiedenen Gründen wie Eisgang, Hochwasser oder eingeschränkte Betriebszeiten nicht einsatzfähig ist. In solchen Fällen müssen die Bürger über Lauenburg oder Dömitz ausweichen. Wieder eine Rechnung: Man könnte von einer 20 km langen Umwegstrecke ausgehen.
3400 x 20 km x 0,40 Euro /km = 27.000 Euro Mehrkosten /Tag oder Mehrverbrauch:
3400 x 20 km x 9 Liter / 100 km = 6120 Liter. Kraftstoff / Tag und Mehrbelastung:
3400 x 20 km x 0,180 kg /km = 12240 kg CO 2 Belastung/Tag
Das sind ökologische Dimensionen, die uns zu denken geben sollten.
4. Auch der Trassenbau soll nach ihren Worten geregelt sein. Was bedeutet das? Da könnten die Planungen doch ordnungsgemäß weitergehen?
K. H. Hoppe: Wie ich schon ausführte, müsste auf jeden Fall das Planfeststellungsverfahren angeschoben werden. Ich bin dankbar und freue mich, dass der neue Kreistag das Planfeststellungsverfahren, wie es angedacht war, in Gang setzen will, um danach in die Ausschreibung zu gehen. Nach diesen Schritten kann man noch genauer feststellen, wie sich die Kosten entwickelt haben.
Selbst wenn die Elbbrücke wider Erwarten nicht verwirklicht werden sollte, muss laut Verkehrsgutachten ab dem Jahr 2025 auf der Fähre wie auch im Ortsdurchgangsverkehr in Neu Darchau täglich mit etwa 3000 oder 3400 Fahrzeugen gerechnet werden. Wer den Verkehr durch den Ort vermeiden will, kann nur für die Brücke sein.
5. Die Aussagen der Politiker zur Brücke sind bekannt. Sie sind gegenüber dem Amt Neuhaus im Wort. Meinungen können sich ändern, wenn Sachverhalte fachlich durchdrungen und deutlicher werden. Spätestens nach dem Gutachten von Georg & Ottenströer müsste den Kreistagsabgeordneten die Bedeutung einer festen Elbquerung für unsere Region und für die Metropolregion Hamburg mit ihren angrenzenden Gebieten klar sein. Des Weiteren ist die Finanzierung gesichert, wie Sie eben darlegten. Sehen Sie trotzdem noch Überzeugungsbedarf bei den Kreistagsabgeordneten?
K. H. Hoppe: Alle Kreistagsabgeordneten sind über diese für die Landkreise Lüneburg und Lüchow-Dannenberg anstehende Jahrhundertmaßnahme durch unsere sachlich umfangreiche Informationsbroschüre in Kenntnis gesetzt worden. Ich nehme es als ein gutes Zeichen, dass sich die Abgeordneten mit dem Brückenprojekt fachlich auseinandergesetzt haben, weil aus ihrem Kreis kein Widerspruch laut geworden ist. Daraus schließe ich, dass die Argumente der Brückenbefürworter den Entscheidungsträgern bekannt sind und ihnen die Meinungsfindung erleichtern wird.
6. Kürzlich war von Politikern zu hören, was man mit einer Summe von 46 Millionen alles so machen könnte, wenn man diese nicht für die Elbbrücke verbaute. Wie denken Sie darüber?
K. H. Hoppe: Die von mir genannten Summen sind an den Bau der Elbbrücke gebunden. Sie können bis auf den Anteil des Landkreises nicht für anderweitige Maßnahmen verwendet werden. Durch die jahrelange Arbeit am Für und Wider der Brücke sind die ökologischen Fragen gutachterlich zufriedenstellend gelöst worden. Umfassende Untersuchungen und Gutachten haben jetzt dazu geführt, dass die anfänglichen kritischen Äußerungen entkräftet werden konnten. Befürchtungen wurden ernst genommen und sind ausgeräumt worden.
7. Zum Abschluss noch eine persönliche Frage. Sie haben sich jahrzehntelang im Kreistag engagiert. Jetzt setzen Sie sich mit allen Kräften für den Bau einer Elbbrücke ein. Was treibt Sie an?
K. H. Hoppe: Ich fühle mich auch nach meiner über vier Jahrzehnte währenden Kreistagszugehörigkeit der Öffentlichkeit und dem Gemeinwohl verpflichtet und setze mich deshalb für den Bau einer festen Elbquerung in unserer Region ein. Von der Richtigkeit und von der Notwendigkeit dieses bedeutsamen Jahrhundertbauwerks bin ich persönlich überzeugt. Die Situation des Amtes Neuhaus liegt mir am Herzen. Politiker müssen ihren Worten Taten folgen lassen. Für mich bedeutet das selbstverständliche Ja zur Deutschen Einheit auch das selbstverständliche Ja zur Brücke.
8. BZ: Herr Hoppe, die BZ dankt für das Gespräch.
KF

Ja zur Elbbrücke - vorbehaltlos
Interview mit Jan Waldau, Kreistagsmitglied aus Dahlenburg.
Er spricht sich ohne Vorbehalt für den Bau einer festen Elbquerung aus
BZ: Wie sieht man derzeit in der SG Dahlenburg die Diskussion um den Bau der Elbbrücke?
Jan Waldau: Viele Dahlenburger sind im Förderkreis Elbbrücke aktiv. Sie sind davon überzeugt, dass die Brücke zu einer positiven Entwicklung für Dahlenburg und der umliegenden Region beiträgt. Sicherlich bedeutet der Bau der Elbbrücke für das Amt Neuhaus einen noch größeren Entwicklungsschub wie das Gutachten von Georg und Ottenströer aufgezeigt hat. Der Ostkreis, ehemaliges „Zonenrandgebiet“, sollte aber nach über zwanzig Jahren Deutsche Einheit endlich eine zukunftsweisende Chance erhalten.
BZ: Schon vor 20 Jahren haben sich die Parteien bis auf die Grünen für eine feste Elbquerung zwischen Lauenburg und Dömitz ausgesprochen. Immer wieder wird klar, dass die Strecke zwischen beiden Städten zu groß ist, um den im Amt Neuhaus lebenden Menschen eine vernünftige verkehrstechnische Anbindung an das Land Niedersachsen zu bieten. Sie, Herr Waldau, sprechen von einer zusammenhängenden Straße. Nicht nur im Winter haben wir die bekannten Probleme, dass die Fähren pausieren müssen. Es gibt jetzt Überlegungen, nach den jahrelangen Auseinandersetzungen um den Bau der Elbbrücke , 2013 im gesamten Landkreis Lüneburg eine Bürgerbefragung durchzuführen, mit deren Ergebnis über den Bau einer festen Elbquerung entschieden werden soll. Die meisten im Ostkreis lebenden Menschen befürchten, dass mit einer kreisweiten Bürgerbefragung die lang ersehnte Brücke nicht zustande kommen wird. Teilen Sie diese Sorge?
Jan Waldau: Ich halte diese Sorge für berechtigt. Über den Bau der Elbbrücke sollte der Kreistag entscheiden. Er ist dafür zuständig. Verständlicherweise ist die emotionale wie auch verkehrstechnische Betroffenheitslage im gesamten Landkreis unterschiedlich. Die Menschen im Amt Neuhaus und im Ostkreis sind in jeder Hinsicht stärker betroffen. Das Amt Neuhaus, geschichtlich seit Jahrhunderten eine niedersächsische Region, wurde nach der Einheit wieder nach Niedersachsen eingemeindet. Ein einmaliger Fall im Zuge der Wiedervereinigung. Historische, persönliche, wirtschaftliche und kulturelle Verbindungen leben wieder auf, neue sind anzubahnen und zu knüpfen, damit man in dieser Region von einer Vollendung der Deutschen Einheit sprechen kann. Es völlig normal, dass der Bezug zum Fluss, wie zu den Menschen, die dort leben, arbeiten und ihr Geld verdienen einfach geringer wird, je weiter man sich im Landkreis geografisch von der Elbe entfernt. Da es im westlichen Landkreis Lüneburg ohnehin mehr Einwohner gibt, sorgen sich die Menschen im östlichen Landkreis und im Amt Neuhaus schon, ob bei einer kreisweiten Befragung noch eine Chancengleichheit gegeben ist. Wir müssen uns auch fragen, ob Großprojekte wie sie in Luhmühlen oder in Lüneburg (Leuphana-Uni / Museumslandschaft usw.) in Arbeit sind, mit einer kreisweiten Bürgerbefragung überhaupt zustande gekommen wären. Ich meine, wir sollten jetzt das Gutachten der Firma Georg und Ottenströer als Grundlage für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung des Ostkreises nehmen. Der Bau der Elbbrücke hat darin einen festen Stellenwert. Die sich jetzt etablierte Initiative zur Stärkung des Ostkreises ist ein halber Schritt.
BZ: Die Aussage der Parteien zur Elbbrücke war doch vor 20 Jahren sehr eindeutig. Könnte in dieser Region eine Bürgerbefragung die Politikverdrossenheit verstärken und die Glaubwürdigkeit der Parteien herabsetzen?
Jan Waldau: Die Aussage: Ja, ich bin für die Elbbrücke und im gleichen Atemzug aber eine kreisweite Bürgerbefragung durchführen zu wollen, erscheint mir meines Erachtens nicht zielführend. Wir brauchen ein vorbehaltloses Ja zur Elbbrücke. Ich weise in diesem Zusammenhang noch einmal auf die besondere Betroffenheit aller Bürger im Ostkreis hin, wie ich es schon ausgeführt habe. Die Politiker verlieren tatsächlich an Glaubwürdigkeit, denn die Parteien waren sich ja mit Ausnahme der Grünen über eine feste Elbquerung einig wie auch über die Rückkehr des Amtes Neuhaus nach Niedersachsen. Die Politik steht damit gegenüber den Menschen im Amt Neuhaus im Wort. Natürlich wurden in der Vergangenheit bei der Brückenplanung Fehler gemacht. Es hat große Probleme mit der Rechtslage gegeben. Wir finden allerdings auch eine besondere Problematik vor. Die Planung erweist sich als schwierig, weil viele Bedenken, Einwände und Auflagen berücksichtigt werden müssen.
BZ: Jetzt ist nicht nur von den hohen Baukosten, etwa 45 Mio. die Rede, sondern ebenfalls sind die Folgekosten im Gespräch. Die Summen erschrecken die Bürger. Wie ist nach ihrem Kenntnisstand die Lage?
Jan Waldau: Meines Wissens sind die Kosten für den Brückenbau größtenteils gesichert. Das Beste wäre, das Land Niedersachsen regelte die Finanzierungsfrage. Des Weiteren laufen Bestrebungen, die EU in die Finanzierung der Brücke einzubinden. Erst mit dem Bau der Elbbrücke wird in unserer Region die Einheit vollendet. In Berlin sind unter diesem Aspekt Milliarden verbaut worden. Und was die Summen angeht, werfe man nur einen Blick auf die Rettungsschirme, die wir aufspannen. Gemeinsam mit dem Bund, die Elbbrücke als ein Projekt der deutschen Einheit umzusetzen, wäre die anstehende Aufgabe.
BZ:Die Folgekosten nicht zu vergessen….
Jan Waldau: Zu den Folgekosten werden unterschiedliche Angaben gemacht. Da es sich um einen Brückenneubau handelt, ist davon auszugehen, dass in den ersten zehn Jahren keine oder kaum Folgekosten anfallen werden. Man kann verstehen, dass sich der Kreis trotzdem über die Folgekosten sorgt, denn durch die Planungen ist die bisherige Landesstraße auf eine Kreisstraße heruntergestuft. Ein Umdenken könnte erfolgen. Warum sollte man nicht ungewöhnliche Wege gehen? Eine Brücke als Werbefläche nutzen? Wie wäre es mit einem „Brückensponsoring“ durch private Unternehmen und Geldinstitute? Kreativität ist gefragt.
BZ: Kürzlich war der Presse zu entnehmen, dass Mecklenburg/Vorpommern eine stärkere Anbindung an Hamburg bzw. an die Metropolregion Hamburg plane, denn man rechne zukünftig mit einem Fachkräftemangel. Die Menschen müssen mobil sein, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, dabei möchten sie gern in ihrem sozialen Umfeld beheimatet bleiben.
Jan Waldau: Selbstverständlich werden auch Gebiete Mecklenburg/Vorpommerns wie die um Hagenow oder Ludwigslust und darüber hinaus von einer festen Elbquerung profitieren. Wir sehen es an der Landwirtschaft der Dahlenburger Region, die mit den genannten Gebieten stark verbunden ist. Des Weiteren, so ist dem Gutachten von Georg und Ottenströer ebenfalls zu entnehmen, wird sich die Realisierung einer festen Elbquerung auch positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises Lüchow-Dannenberg auswirken. Der Bau einer Elbbrücke erweist sich also als unumgänglich für unsere Region.
BZ: Herr Waldau, die BZ dankt für das Gespräch. KF
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